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Warum ich mich nicht mehr entschuldige

„Do not excuse yourself, ever. – Entschuldige dich niemals.“ war der beste Tipp, den mir mein Chef in Neuseeland  gegeben hat. Ich habe mich ständig entschuldigt. Häufig dafür, dass ich zu spät war, oder etwas nicht so gelaufen ist wie erwartet.

Wenn ich mich entschuldige, lege ich den Fokus erst recht auf mein „Vergehen“. Als ich noch bei OTTO gearbeitet habe hatte ich einen Termin mit einem Dienstleister, der 15 Minuten zu spät kam. Die Erklärungen zu der Verspätung waren zeitlich genauso ausführlich wie die Verspätung selbst. Irgendwann flehte ich ihn innerlich an aufzuhören weil ich anfing ihn zu bemitleiden. Er machte sich selbst klein und das war nicht förderlich für eine geschäftliche Beziehung auf Augenhöhe. Der Kollege wirkte unterwürfig und weckte meinen Mutterinstinkt. Die Unprofessionalität die er in diesem Moment ausstrahlte, ließ mich unbewusst auch an seiner fachlichen Kompetenz zweifeln.

„Entschuldige dich niemals. Du machst dich selbst kleiner als du bist.“ sagte mein Chef und er hatte recht. Zu tief sitzt der Drang in vielen von uns sich für sich selbst zu entschuldigen, und die Wirkung die unsere Entschuldigungen auf andere haben sind uns nicht bewusst.

Übermäßige Entschuldigungen sind Zeugnis eines geringen Selbstbewusstseins. Wir müssen uns nicht für uns selbst entschuldigen. Wenn wir zu spät kommen hatten wir einen guten Grund warum wir aufgehalten wurden. Es hilft nicht das bereits ohne uns begonnene Meeting mit unseren Entschuldigungen aufzuhalten, und uns damit selbst ins schlechte Licht zu setzen.

Wir sollten uns bemühen nicht zu spät zu kommen, Dinge richtig zu machen. Aber manchmal läuft es eben nicht wie geplant, und dann ist es in Ordnung seine Fehler zu erkennen und daraus zu lernen. Dafür müssen wir uns nicht entschuldigen.

Natürlich gibt es immer noch Fehltritte für die wir uns mit Fug und Recht entschuldigen sollten. Wenn wir jemanden verletzen, bewusst oder unbewusst, wird es persönlich und dann ist es an der Zeit sich zu entschuldigen.

Aber wir müssen uns nicht dafür entschuldigen wer wir sind. Wir wissen was wir können und treffen Entscheidungen selbstbewusst und hoch erhobenen Hauptes.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn jemand eine 15-minütige Verspätung mit einer 15-minütigen Entschuldigung erklären, ist „unprofessionell“ dafür noch eine eher vorsichtige Formulierung.

    Allerdings stimme ich überhaupt nicht zur generellen Aussage zu.

    Entschuldigungen zeigen meinem Gegenüber auch Respekt. Und daran sollte man es niemals fehlen lassen. Weder im Geschäftsleben, noch im privaten Bereich.

    Wäre ich der Dienstleister gewesen wäre, der zu spät zum Termin kommt, hätte ich Dich vorher telefonisch kurz über die zu erwartende Verspätung informiert und mich dafür entschuildigt.

    Das finde ich professionell und mein Sebstbewusstsein leidet dabei in keinster Weise.

    Antworten

    • Lieber Eddy, ich gebe dir vollkommen recht. Wie du es beschreibst hätte ich es auch gemacht. Ein Anruf bevor der Termin beginnt. Dann kann mein Gesprächspartner sich die Verspätung einstellen, und ich kann mir langwierige Entschuldigungen IM Termin sparen. 😉

      Zugegebenermaßen ist der Titel provokant gewählt und sicherlich nicht zu 100% haltbar wenn wir alle gut miteinander leben wollen.
      Mein Punkt ist dass wir verstehen was eine Entschuldigung auslöst. Als Herdentier zeige ich, dass ich dir in diesem Moment unterlegen bin. Ich habe einen Fehler gemacht und hoffe auf deine Vergebung. Diesen Moment der Unterlegenheit muss ich wieder „ausbügeln“ um weiterhin einen Dialog auf Augenhöhe zu ermöglichen. Und je länger dieser Moment dauert um so schwieriger wird das.

      Andere Frage; du präsentierst vor einem Kunden und stellst bei der Präsentation fest, dass du zwei (ungefährliche) Rechtschreibfehler in deinem slide hast. Was tust du? Entschuldigst du dich dafür?
      Und jetzt stelle dir vor du bist der Kunde. Wie fühlst du dich, wenn der Dienstleister sich für die Rechtschreibfehler entschuldigt?

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